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Der gigantische Heckflügel einer Mig-21 steht im Zentrum der Ausstellung WINGS, die im Hotel Mond in Berlin ein Portfolio von provokativen Kunstwerken weltbekannter Künstler präsentiert.

Die markante Heckflosse der russischen Mig-21 hat Bernd Reiter zu einer gewaltigen Installation aufgebaut. Der Teil einer Kampfmaschine steht inmitten des Ausstellungsraumes als stille Bedrohung und erzählt von Vergangenem, wo sie Schäden angerichtet und Schmerz ausgelöst hat. Jetzt und heute, demontiert in Einzelteile und scheinbar unschuldig und harmlos zu einem Kunstwerk mutiert, dokumentiert der Flügel eine geheimnisumwitterte Geschichte mit einer fast schon ästhetischen und strahlenden Aura. Als politisches Mahnmal steht sie vor allem stellvertretend für Missstände in aktuellen Krisengebieten und interagiert mit den Gedanken ihres Betrachters.

In unmittelbarer Augenhöhe des Mig-21 Heckflügels korrespondieren Werke von Roy Lichtenstein, die auf Comics als Rohmaterial basieren wie beispielsweise sein Whaam auf All American Men of War. Sie katapultieren den Betrachter in die 60er Jahre Welt der Energie, Gewalt, Erotik und Modernität und sind doch keine Kriegsgeschichten. Es sind abstrakte Bilder, deren Feuerstöße an Pollocks Actionbilder erinnern, die der Betrachter für sich selbst erkunden muss.

Auch die ausgestellten Arbeiten von Robert Rauschenberg setzen sich in einen direkten Dialog mit Reiters Kriegsmaschine. Das gespiegelte Aluminium seiner Werke aus der Phantom und Night Shade

Serie erzeugen eine gespenstische Aufmerksamkeit, die Rauschenbergs Faszination für die Beschaffenheit von Textur, Oberfläche und Reflexion kennzeichnen. Seine Arbeiten sind einem Fernsehkanal gleichzusetzen, in dem man die Vielfalt der Konsumwelt – von Krieg bis Wissenschaft – ohne umschalten zu müssen, erleben kann. Zwischen Rauschenbergs und Reiters Werken entsteht eine ganz eigene Spannung zwischen dem Ganzen und den einzelnen Teilen einer außergewöhnlichen Geschichte.

Wie Bernd Reiter, so ist auch Banksy ein politischer Künstler und Aktivist, dessen Werke konsum-, gesellschafts- und system-kritisch die Welt als Karikatur beleuchten, demzufolge moralisch wertend sind. Sein Werk Rude Copper erinnert an die alten Bobbys on the Beat und verspottet die britische Polizeiarbeit und deren Haltung und Arroganz während Radar Rat ein pures Anagramm der Kunst ist.

Entgegen den überspitzten Arbeiten von Banksy hat sich Damien Hirst den zeitlosen Themen wie Tod, Religion oder der Liebe verschrieben und vermarktet die Konsumkultur für Jedermann, wobei die Grenzen der Fragestellung wer denn nun der Konsument und wer das Produkt ist, fließend sind. Die in der Ausstellung gezeigten Spin Bilder, die in den 1960er Jahren auf Hirsts Jugend zurückgehen, beschreibt er als psychedelischen Kompositionen und als «kindisch … im positiven Sinne des Wortes».

Keith Harings Radiant Baby, auch Radiant Child oder Radiant Christ genannt, erschien zuerst in seiner Arbeit als U-Bahn-Künstler, in dem er es als seine Marke oder Signatur verwendete. Haring beschrieb das strahlende Baby als die «reinste und positivste Erfahrung der menschlichen Existenz». Es ist weitestgehend symbolisch für «Harings Hoffnung für die Zukunft», hat jedoch eine ambivalente Bedeutung: der Betrachter ist sich nicht sicher, ob das Baby von den Flammen verzehrt wird oder die Menschheit rettet. Während Reiters Kriegsmaschine Mig-21 die Menschen tatsächlich zerstört, kann sich der Betrachter zumindest der Hoffnung hingeben, dass Harings strahlendes Kind die Menschen retten könnte.

Querruder, Ruder, Flügelklappen erzeugen einen Widerstand und bewirken, dass das Flugzeug die Richtung oder Höhe ändert. So erzeugt die Ausstellung WINGS einen kontrollierten Kunst-Schock und vereint postmoderne Konsum-Illusionen mit zeitgenössischer, politisch-aktivistischer Ironie. Der hierdurch entstehende Bruch soll aufregen und beruhigen zugleich und dazu beitragen, ein neues Bewusstsein nach Authentizität in der self-branded Welt zu generieren.

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