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Rosa von Praunheim studierte in den 60er Jahren freie Malerei in Berlin und hat seitdem immer wieder gemalt und Ausstellungen gemacht. In den letzten Jahrzehnten im Schwulen Museum, Galerie am Lützowplatz und der Akademie der Künste, deren Mitglied er ist.

Im Jahr seines 80. Geburtstags präsentiert er in der Galerie Mond in Berlin seine neuesten Arbeiten. Sie sind eine Mischung aus Comic, Kinderzeichnungen und lyrischen Fantasien. Trotz seines hohen Alters sind sie meist fröhlich und machen Mut zu sterben.

Eine betrunkene Astrologin weissagte Rosa von Praunheim, dass er am 16. Oktober 2023 sanft entschlafen wird. Also nutzt die Gelegenheit, ein Stück von Rosa zu kaufen. Es könnte aber sein, dass statt Rosa von Praunheim, die Astrologin stirbt. In diesem Sinne viel Spaß mit den produktiven, fantasievollen Bildern von Rosa.

Ein paar Häuser weiter, im Kino Filmkunst 66, zeigt Rosa seine neuesten Filme mit anschließendem Empfang in der Galerie Mond.

Sonntag, 22. Mai, 13 Uhr „Der grausame Sohn“ im Kino Filmkunst 66
mit anschließendem Empfang in der Galerie Mond, Bleibtreustr. 12, 10623 Berlin

Sonntag, 29. Mai, 13 Uhr „Der Hirschensprung“ im Kino Filmkunst 66
mit anschließendem Empfang in der Galerie Mond,
Bleibtreustr. 12, 10623 Berlin

Eröffnung der Ausstellung: 06.05.2022, 18-20 Uhr

Ausstellungszeitraum: 07.05. – 11.06.2022

Zur Ausstellung Ich bin ein Gedicht mit Werken von Rosa von Praunheim in der Galerie Mond Fine Arts in Berlin im Mai 2022

2022 ist ein besonderes Jahr. In diesem Jahr wird der Künstler Rosa von Praunheim 80 Jahre alt. Geboren am 22.11.1942 in Riga wird dieser denkwürdige Tag im November in Berlin gefeiert. Im Mai nimmt die Galerie Mond Fine Arts Rosas besonderes Jahr zum Anlass in der Ausstellung Ich bin ein Gedicht eine weniger bekannte Seite des vielseitigen Künstlers zu zeigen: eine Auswahl seines zeichnerischen Werks. Der Titel ist einem Film entlehnt, den seine langjährige Gefährtin und Mitarbeiterin Elfi Mikesch über ihn und sein Leben gedreht hat. 

Seit seiner Jugend gehörten Kritzeleien, Skizzen, Zeichnungen und Malereien zu einem Mittel, seinen spontanen Ideen und Einfällen, seinen Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Oft voller Selbstironie. Im Stil von poppigen Comics, mal poetisch, mal kapriziös oder zynisch, mal humorvoll, obszön, frech, gewagt, oder burlesk, überbordend, und dann wieder schlicht und von tiefem Ernst geprägt. Seine Lust am Spielen mit Formen und Farben, mit dem Strich und der Linie wird deutlich. Er inszeniert Bilder. Charakteristisch für seine zeichnerischen Arbeiten sind Worte oder Sätze, die er hineinschreibt. Zum Beispiel: Majestät, Ihr Rock hat ein Loch, Kühe vom Nebel geschwängert, Narziss im Dunkeln. Narziss, der sein Spiegelbild im Wasser entdeckt, bei Rosa eine interessante Interpretation des alten Mythos. Rosa hat Freude am Fabulieren, am Geschichtenerzählen, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Seine Bilder werden zu Gedichten und seine Gedichte zu Bildern. Geschriebene Bilder, gemalte Gedichte. 

Rosa hat 1961 ein Studium an der Werkkunstschule in Offenbach in der Klasse für Freie Malerei begonnen. Von dort wechselte er an die Hochschule der Bildenden Künste in Berlin. Die Grundlagen, die er für seine bildnerische Tätigkeit erhielt, kommen ihm auch bei seiner Filmarbeit zugute, die zunehmend zu einem Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit wurde. Während der Studentenbewegung bricht er das Kunststudium vorzeitig ab, um mit dem Filmemacher Werner Schroeter Experimentalfilme zu drehen. In den 68er Jahren war Berlin eine Stadt des Aufruhrs geworden. Nach dem gewaltsamen Tod von Benno Ohnesorg im Juni 1967 gingen Jugendliche auf die Straße, demonstrierten nicht mehr nur gegen den Krieg in Vietnam, sondern gegen die zunehmende Gewalt der Polizei bei Demonstrationen und gegen Missstände und Verlogenheit innerhalb der Gesellschaft. Rosa kämpfte für die Sache der Schwulen. Er setzte sich für ihre Gleichberechtigung und die Straffreiheit des Schwulseins ein. Er hat sich aber für weit mehr eingesetzt, für eine freie lustvoll gelebte Liebe und gegen die verklemmte Sexualität. Rosas Initiativen und Aktionen ermutigten, daran zu glauben, dass engagiertes Handeln, Happenings, Theater, Kunst, Film Veränderungen bewirken können. Sein Film Nicht der Schwule ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt konnte die tatsächlich bestehende Situation nicht treffender benennen. Insgesamt hat Rosa mehr als 150 Kurz- und Langfilme in seinem Leben gedreht, dazu noch mehr als 100 Bücher geschrieben. Wenn man viele seiner Bücher liest, wird ersichtlich, wie sehr Leben und Schaffen ineinander gehen. In diesem fortlaufenden Prozess hat er sich immer wieder neu erfunden. Auch äußerlich beherrschte er das Spiel, indem er seine Freude am Kleiden und Verkleiden auslebte.

Es ist eine große Freude, mit der Ausstellung Ich bin ein Gedicht in der Galerie Mond aus seinem beachtlichen Lebenswerk den Aspekt seines bildnerischen Schaffens zu beleuchten. In Elfi Mikeschs Film sagt Rosa zur Frage Was verspreche ich mir vom Leben:

Ich verspreche mir, dass der Gesang der Sirenen mich bezaubern wird. Und das grüne Gras auf meinen Schultern wächst. Und dass ein Regenbogen durch meine Ohren jagt. Und dass ich auf einem Schimmel durch die Nacht reite. Und dass die Morgensonne mir sagt: du bist eigentlich bekloppt, aber nur die Verrückten sind fähig, das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Text: Karin von Roques 

 

Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18 Uhr / Sa 11-16 Uhr

[email protected]

 

 

 

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